Ei, ei, ei - Mythos Eiweiß

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Ei, ei, ei - Mythos Eiweiß

„Eiweiße sind die Bausteine des Lebens“ – diesen Spruch hat der ein oder andere sicherlich schon einmal gehört.
Und tatsächlich ist ein Leben ohne Eiweiß nicht möglich, denn Eiweiße – auch bekannt unter dem Fachbegriff „Proteine“ – gehören neben Kohlenhydraten und Fetten zu den Hauptnährstoffen, die ein gesunder Organismus benötigt.
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Trotzdem ist Eiweiß in der Pferdefütterung schon seit langem in Verruf geraten:Insbesondere zum Start der Weidesaison meiden viele Pferdebesitzer das proteinreiche Gras aus Angst vor Hufrehen und Koliken.
Aber ist diese Angst überhaupt begründet oder doch eher ein Mythos? Wofür braucht das Pferd Eiweiße und wann schaden sie mehr, als das sie nützen?

Um diese Fragen zu klären wird es kurz etwas„wissenschaftlich“:

📌 𝐖𝐚𝐬 𝐬𝐢𝐧𝐝 𝐄𝐢𝐰𝐞𝐢ß𝐞/ 𝐏𝐫𝐨𝐭𝐞𝐢𝐧𝐞?📌
Proteine setzen sich aus sogenannten Aminosäuren zusammen, die in unzähligen Kombinationen zu Eiweißen verkettet werden. Einige davon kann der Körper selber herstellen (nicht-essentielle Aminosäuren), andere kann er dagegen nur über die Nahrung aufnehmen (essentielle Aminosäuren).
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Eiweiße spielen bei vielen Prozessen im Körper eine tragende Rolle:
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🔹 Muskelfunktion und Muskelaufbau
🔹 Aufbau und Erhalt von Bindegewebe und Knorpeln
🔹 Fett- und Sauerstofftransport im Körper
🔹 Aufbau eines gesundes Immunsystems
🔹 Reparatur und Neubau von körpereigenen Zellen
🔹 Aufbau einer gesunder Haar- und Hornstrukturen
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Ein Pferd benötigt zwingend Eiweiß in seinem Futter, damit sein Organismus funktionieren kann.
Den Großteil der essentiellen (also nicht selber herstellbaren Aminosäuren)nimmt ein Pferd übrigens bereits durch die Fütterung von z.B. qualitativ hochwertigem Heu und jungem Weidegras auf. Außerdem stecken Eiweiße in fast allen weiteren Futtermitteln (Hafer, Leinsaat, Sojaschrot, etc.).
Es gilt die Faustregel, dass 𝟎,𝟓 – 𝟏𝐆𝐫𝐚𝐦𝐦𝐏𝐫𝐨𝐭𝐞𝐢𝐧𝐩𝐫𝐨𝐊𝐢𝐥𝐨𝐠𝐫𝐚𝐦𝐦𝐏𝐟𝐞𝐫𝐝𝐞𝐠𝐞𝐰𝐢𝐜𝐡𝐭bei normalen Reitpferden eine ausreichende Versorgung bieten.
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📌 𝐌𝐲𝐭𝐡𝐨𝐬𝟏:𝐇𝐮𝐟𝐫𝐞𝐡𝐞 𝐮𝐧𝐝 𝐀𝐫𝐭𝐡𝐫𝐨𝐬𝐞 𝐰𝐞𝐫𝐝𝐞𝐧 𝐝𝐮𝐫𝐜𝐡 𝐳𝐮 𝐯𝐢𝐞𝐥 𝐄𝐢𝐰𝐞𝐢ß 𝐚𝐮𝐬𝐠𝐞𝐥ö𝐬𝐭📌

Die Annahme, dass vor allem Eiweiß schuld an der schmerzhaften Reheentwicklung ist, ist nicht mehr aktuell: Zwar begünstigt ein starker Überschuss an Proteinen die Absenkung des Hufbeins, in erster Linie ist aber die übermäßige Aufnahme von bestimmten Kohlenhydraten (Z.B. Fruktane im Weidegras, Stärke aus dem Kraftfutter) der Auslöser für die Stoffwechselerkrankung.
Die Weidezeit stellt rehegefährdete Patienten immer vor eine große Herausforderung – allerdings nicht (nur) auf Grund des Eiweißes.
Viel häufiger sind Stoffwechsel-Vorerkrankungen der Auslöser für einen Reheschub: Insbesondere Pferde mit Cushing oder EMS gelten hier als Risikopatienten, da die vermehrte Aufnahme von Kohlenhydraten ihren ohnehin schon angegriffenen Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringt.

Anders sieht es bei der Entwicklung von Arthrose aus: Eine dauerhafte massive(!) Eiweißüberdosierung kann Arthrose begünstigen, da das Verarbeitendes Eiweißes Nährstoffe benötigt, die für Knochen und Knorpel ebenfalls notwendig sind und dem Körper dann fehlen. In der Regel kann eine so extreme Überdosierung aber nur durch falsche Zufütterung entstehen, nicht durch die Aufnahme von Weidegras.
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📌 𝐌𝐲𝐭𝐡𝐨𝐬𝟐:𝐄𝐢𝐰𝐞𝐢ß 𝐬𝐨𝐫𝐠𝐭 𝐟ü𝐫 𝐊𝐨𝐥𝐢𝐤𝐞𝐧📌

Eine hohe und vor allem plötzliche Eiweißzufuhr kann den empfindlichen Verdauungstrakt der Pferde stören und zu Verdauungsproblemen wie z.B. Durchfall führen. Sensible Pferde können deshalb auch zu Koliken neigen. Die Sorgen zum Start der Weidesaison sind daher natürlich begründet, denn hier nehmen die Pferde verhältnismäßig viel proteinreiches Gras in kurzer Zeit auf.
Die Hauptursache für Koliken ist aber der hohe Feuchtigkeitsanteil im jungen Gras, das den Darm schneller durchläuft, als trockenere und rohfaserhaltigere Futtersorten. Dies führt zu einer vermehrten Gasbildung, da Zucker und Stärke nicht vollständig verstoffwechselt werden können und der unverdaute Futterbrei zu gären beginnt.
Das Risiko kann aber durch langsames Anweiden in Etappen meist vollständig umgangen werden.
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📌 𝐌𝐲𝐭𝐡𝐨𝐬𝟑: 𝐌𝐮𝐬𝐤𝐞𝐥𝐚𝐮𝐟𝐛𝐚𝐮 𝐟𝐮𝐧𝐤𝐭𝐢𝐨𝐧𝐢𝐞𝐫𝐭 𝐧𝐮𝐫 𝐦𝐢𝐭 𝐏𝐫𝐨𝐭𝐞𝐢𝐧𝐞𝐧📌

Pferde, die zu wenig Eiweiß mit der Nahrung aufnehmen, bauen Muskulatur ab,denn Eiweiße können nicht langfristig im Körper gespeichert werden. Da die Proteine aber maßgeblich zum Erhalt und Aufbau einer gesunden Muskulatur beitragen, macht sich eine Unterversorgung mit Eiweiß durch das Schrumpfen der Muskelpartien bemerkbar.
Andersherum sorgt ein Überschuss an Proteinen aber auch nicht automatisch für Muskelaufbau - dieser Mythos hält sich dennoch hartnäckig. Muskelaufbau gelingt nur durch entsprechende Reizung des Muskels oder anders ausgedrückt: Training unter dem Sattel, an der Hand oder Longe!
Intensives Training erfordert eine angepasste Menge an Proteinen, ein Überschuss ist auf lange Sicht aber weder gesund noch sinnvoll.
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📌 𝐌𝐲𝐭𝐡𝐨𝐬 𝟒 :𝐄𝐢𝐰𝐞𝐢ß 𝐬𝐜𝐡𝐚𝐝𝐞𝐭 𝐝𝐞𝐧 𝐍𝐢𝐞𝐫𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐝𝐞𝐫 𝐋𝐞𝐛𝐞𝐫📌
Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift! Ein gesundes Pferd verträgt und – wie bereits vielfach erklärt – benötigt Eiweiß zwingend in seiner Ernährung.
Wird hier aber langfristig überdosiert belasten die Stoffwechselprodukte, die durch die Verwertung der Proteine entstehen, die Leber und die Nieren auf lange Sicht.
Pferde mit Vorerkrankungen sollten daher tatsächlich auf eine proteinärmere Ernährung umgestellt werden.
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📌 𝐌𝐲𝐭𝐡𝐨𝐬 𝟓: 𝐒𝐭𝐮𝐭𝐞𝐧 & 𝐅𝐨𝐡𝐥𝐞𝐧 𝐛𝐫𝐚𝐮𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐛𝐞𝐬𝐨𝐧𝐝𝐞𝐫𝐬 𝐯𝐢𝐞𝐥𝐞 𝐏𝐫𝐨𝐭𝐞𝐢𝐧𝐞📌

Tragende und laktierende Stuten haben grundsätzlich einen erhöhten Bedarf an Mineralien, Vitaminen und Nährstoffen, um das ungeborene und neugeborene Fohlen gut zu versorgen - dies gilt also auch für Eiweiße.
Eine gut versorgte Stute kann den Bedarf des Fohlens über die Muttermilch stillen. Später kann frisches Weidegras das junge Pferd ausreichend mit Eiweißen versorgen. Eine Zufütterung ist daher fast nur außerhalb der Weidesaison zu überdenken – aber auch hier sollte eine Überdosierung vermieden werden. Viel hilft nicht immer viel… Wer unsicher in der Wahl der potentiellen Zusatzfuttermittel ist, sollte sich immer gut beraten lassen!
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Fazit: 𝐄𝐢𝐰𝐞𝐢ß 𝐢𝐬𝐭 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐩𝐞𝐫 𝐬𝐞 𝐬𝐜𝐡𝐥𝐞𝐜𝐡𝐭– 𝐠𝐚𝐧𝐳 𝐢𝐦 𝐆𝐞𝐠𝐞𝐧𝐭𝐞𝐢𝐥: In der richtigen Dosierung ist Eiweiß für Pferde ein lebenswichtiger Baustein und fester Bestandteil ihrer Fütterung. Auch kurzfristige Erhöhungen der Eiweißzufuhr z.B. durch den Start der Weidesaison sind in der Regel unschädlich für den Organismus. Eine dauerhafte Überversorgung ist allerdings genauso wenig gesund wie ein permanenter Eiweißmangel.

In diesem Sinne steht dem sommerlichen Weidevergnügen ja nun nichts mehr im Wege… 🐴😁

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